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02.06.2010 Hochkostenfälle lassen Krankenkassen bluten

Rubrik: Zahlen

Hochkostenfälle belasten die Krankenkassen in außergewöhnlicher Weise. Extrem teure Krankheiten wie die Hämophilie (Bluterkrankheit), Stoffwechselstörungen, aber auch Multimorbidität (das gleichzeitige Auftreten mehrerer Erkrankungen) schlagen überproportional zu Buche. Fast 4 Millionen Minus machte die Deutsche BKK im Jahr 2009 allein mit ihren sieben teuersten Patienten. Ein Defizit, das früher durch den Risikopool der Krankenkassen (zusätzlich zum Risikostrukturausgleich) abgefedert wurde. Heute müssen die Krankenkassen mit dieser Last allein fertig werden.

Die Deutsche BKK ist für alle ihre Versicherten da und sieht sie nicht als Kostenfaktoren, sondern als Menschen, die Hilfe benötigen. Der strategische Schwerpunkt der Krankenkasse liegt sogar ausdrücklich auf der Versorgung Kranker. Dennoch lässt sich ein gravierendes finanzielles Problem nicht wegdiskutieren: Extrem teure Krankheiten und Multimorbidität werden durch den Gesundheitsfonds kaum ausgeglichen. Für den teuersten Versicherten, einen Jugendlichen, der an der Bluterkrankheit leidet, erhielt die Deutsche BKK im letzten Jahr beispielsweise 54.000 Euro aus dem Fonds. Die Leistungsausgaben für 2008 lagen aber bei 1,3 Millionen Euro. Die Differenz von 1.246.000 Euro muss die Krankenkasse irgendwie selbst aufbringen. Fragt sich nur, woher das Geld kommen soll, wenn alle Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds stammen. Eine andere Zahl macht das Ausmaß dieses Dilemmas deutlich: In 2008 gab die Deutsche BKK für den teuersten Versicherten so viel aus wie für 600 Versicherte mit durchschnittlichen Kosten.

Der Morbi-RSA gleicht lediglich die Kosten für 80 definierte Krankheiten aus. Diese Krankheiten wurden aber nur mit statistisch ermittelten Durchschnittswerten belegt. Extreme Ausreißer nach oben werden nicht berücksichtigt. Vor der Einführung von Gesundheitsfonds und Morbi-RSA gab es dagegen eine Lösung für Hochkostenfälle: Sie wurden in einem zusätzlichen Risikopool der Krankenkassen ausgeglichen.

Ein Lösungsansatz, für den die Deutsche BKK sich stark macht, ist ein Morbi-RSA, der alle Krankheiten ausgleicht. Er sollte aber nicht die Ist-Kosten vollständig ausgleichen, um Wirtschaftlichkeitsanreize zu setzen. Die derzeitige Beschränkung auf 80 Krankheiten und deren Auswahl ist eine politische Entscheidung  und ist unter Experten umstritten. Wenn die Unterschiede in der Risikostruktur gerechter ausgeglichen werden, herrschen für alle Kassen gleiche Bedingungen im Wettbewerb. Dann kommt es tatsächlich auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Krankenkasse an und ein fairer Wettbewerb wäre endlich möglich.

Kommentare zum Beitrag

Anzeige: 1 - 2 von 2.
 

Arbeiter

Saturday, 12-06-10 15:17

durch den Wegfall des Sterbegeldes, werden Milliarden von Euros jedes Jahr eingespart und somit auch verheizt.

700 Euro jeden Monat sollte doch ausreichen, oder?

Natürlich reicht es nicht, die Gier, sich staatlich geschützt, bereichern zu dürfen ist einfach zu groß!

Wenn ich einmal einen "Herzkaspar" bekomme, kommt ein Krankenwagen mit einer Trage, der Fahrer ist eine Zivildienstleistender und der "Arzt" in Ausbildung. Ausrüstung wie z.b. Mini-OP, Herzreanimation, Fehlanzeige.

 

Arbeiter

Saturday, 05-06-10 14:41

Für fast jede Krankheit oder Leiden läßt sich ein "monströses Heilungsverfahren" erfinden und kostenintensiv bewerkstelligen.

 
 

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