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19.04.2010 Ist die Priorisierung von Leistungen gerecht?

Rubrik: Medizin

Die finanziellen Mittel in der medizinischen Versorgung sind knapp. Das ist nichts Neues. Eigentlich auch nicht neu ist der Ansatz in der aktuellen Studie des Berliner Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF): Es muss bewertet und gewichtet werden, welche Leistungen unverzichtbar sind – und welche weniger wichtig. So können langfristig die Probleme in der gesetzlichen Krankenversicherung gelöst und auch künftig moderne Therapien für alle Versicherten sichergestellt werden. Die Politik scheut sich jedoch, diese unbequeme Wahrheit auszusprechen.

Die Deutschen werden immer älter und weniger. In vierzig Jahren wird es nur noch 69 Millionen Menschen in Deutschland geben. Dabei wird die Altersgruppe der über 65-Jährigen laut Prognose auf 23 Millionen ansteigen. Wir werden immer älter, aber werden wir auch gesünder? Experten verkünden das Gegenteil. Je älter die Bevölkerung ist, desto mehr so genannte Mehrfacherkrankungen gibt es bei den Menschen. Deshalb steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen weiter an.

Händeringend sucht die Koalition nach Reformkonzepten, um angesichts dieser Zukunftsszenarien auch künftig neuartige Therapien für gesetzlich Versicherte bezahlen zu können. Steuerzuschüsse und Maßnahmen, die die Kosten für kurze Zeit senken, reichen nicht aus. Professor Fritz Beske fordert deshalb in seiner aktuellen Studie „Bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung bei begrenzten Mitteln“ einen Katalog mit vorrangigen Leistungen, die auch in Zukunft notwendig und von der Solidargemeinschaft zu bezahlen sind. Nur so könne jeder auch noch 2050 die Gewissheit haben, dass er dann, wenn ernsthaft krank ist, auch einen zügigen Zugang zur medizinischen Versorgung hat. Versicherte müssten wissen, worauf sie sich verlassen können und in welchen Bereichen sie selbst vorsorgen müssen. In anderen Ländern wie Schweden und Norwegen funktioniert dieser Weg bereits.

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