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27.04.2010 Mythos Ärztemangel und Röslers Landarztquote

Rubrik: Gesundheitspolitik

20 km bis zum nächsten Hausarzt fahren? Auf dem Land keine Seltenheit. Die Lobby der Ärzte warnt seit Jahren vor einem vermeintlichen Ärztemangel. Dabei erhöht sich die Arztdichte pro Einwohner stetig: Kamen 1990 knapp 30 Ärzte auf 10.000 Einwohner waren es 2007 bereits fast 40. Ein Widerspruch? Nicht zwingend.

Die Verteilung der Ärzte in Deutschland stimmt nicht mehr. Während es in großen Städten eine Ärzteüberversorgung gibt, fehlen in ländlichen Regionen, vor allem in vielen Teilen Ostdeutschlands, bereits jetzt Ärzte. In den nächsten Jahren wird sich die Lage weiter verschlimmern: Das Durchschnittsalter bei niedergelassenen Ärzten liegt heute bei über 50 Jahren. Wenn ein Arzt seine Praxis aus Altersgründen schließt, wird diese oft nicht wieder besetzt. Hinzu kommt, dass junge Mediziner wegen besserer Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten ins Ausland gehen oder sich dort niederlassen, wo vermehrt gesunde Privatpatienten leben. Ein Einzugsgebiet mit vielen, vor allem älteren Kassenpatienten ist für die meisten dagegen unattraktiv: Lange Arbeitszeiten bei einem vergleichsweise bescheidenen Einkommen.

Die FDP meint die Lösung des Problems unter anderem in der so genannten „Landarztquote“ gefunden zu haben. Wer sich bereit erklärt, nach dem Studium einige Jahre als Arzt in der Provinz zu arbeiten, hat die Chance, auch mit weniger guten Abiturnoten zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Das Vorbild für das von Rösler geforderte Modell ist die „Bundeswehrquote“, also Studenten, die sich als Militärarzt verpflichten. Eine Quote, über die er selbst zum Mediziner ausgebildet wurde.

Die Krankenkassen fordern eine Ausweitung dieser „Bedarfsplanung“. Es geht nicht nur um die Förderung von Arztpraxen auf dem Land, sondern vor allem um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Fach- und Allgemeinmedizinern. Die Versorgung mit Haus-, Kinder- und Frauenärzten müsse für jeden Bürger in der Nähe seines Wohnortes gewährleistet sein. Andere fachärztliche Leistungen, wie Kardiologie oder Rheumatologie, sollen in Medizinischen Versorgungszentren gebündelt werden. Nur so können kostspielige Mehrfachuntersuchungen verhindert werden.

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